Worum geht es? Unrecht braucht eine Stimme!

An Verdingkindermärkten des 19. Jahrhunderts erhielt bei Mindersteigerungen durch die Armenbehörden diejenige Pflegefamilie den Zuschlag, die für die Aufnahme eines Kindes das geringste Unterhaltsgeld verlangte. – Holzstich von Emil Zbinden (1908–1991) für den Gotthelf-Band «Der Bauernspiegel», 1937

Verdingt, fremdplatziert, entmündigt, in Anstalten versorgt, psychiatrisiert, zwangsadoptiert oder zwangssterilisiert

Bis 1981 und teils länger waren Menschen in der Schweiz von sogenannt fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremd-platzierungen betroffen. Wie viele es sind, wissen wir nicht. Viele der Betroffenen lebten in schwierigen sozialen und wirt-schaftlichen Verhältnissen. Passten sie nicht in die engen bürgerlichen Normvorstellungen, erfolgten massive Eingriffe, die für sie ein Leben lang Folgen haben sollten.

Dass diesen Menschen Unrecht geschah, wird heute offiziell anerkannt. Der Bund und die Kantone baten verschiedentlich um Entschuldigung. Die Auseinandersetzung mit diesem dunklen Teil der jüngeren Geschichte unseres Schweizer Rechts- und Sozialstaats heisst, bereit zu sein, sich zu erinnern.

Erinnerungen können schmerzen. Erinnerungen können aber auch befreien: Ein distanzierter Rückblick auf die Ereignisse kann sogar Lebenssinn ermöglichen.

Erinnern für die Menschenwürde von heute und morgen. Das will das Solothurner «Zeichen der Erinnerung».

Was ist Fürsorge? Wo beginnt der Zwang?

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