Von Menschen, die nicht zählten

Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus dem Kanton Solothurn.
Es konnte bis jetzt nicht festgestellt werden, wie viele Personen im Kanton Solothurn von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen betroffen waren. Grob geschätzt steht für den Zeitraum 1900–1980 jedes der oben abgebildeten 36 Fotos für 700 Betroffene (rund 25’000 Personen).
Wie viele Menschen in der Schweiz von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen betroffen waren, ist nicht bekannt
Schätzungen gehen für das 19. und 20. Jahrhundert von mehreren Zehn- bis mehreren Hunderttausend aus.
«Die meisten Betroffenen leben heute nicht mehr.»
Von den 11’500 Personen, die bis August 2026 einen Solidaritätsbeitrag gemäss dem Aufarbeitungsgesetz von 2016 erhalten haben, wohnen fast fünf Prozent im Kanton Solothurn. Ein Vergleich mit dessen Anteil an der Schweizer Gesamtbevölkerung (ca. drei Prozent) deutet auf eine überdurchschnittlich hohe Opferzahl hin. Dies bestätigt auch
die seit 2014 jährlich von den Staatsarchiven erhobene Anzahl Personen, die nach Unterlagen suchen: Der Kanton Solothurn belegt jeweils die Ränge 3 bis 7. Die Gründe für diesen Umstand müsste die Forschung genauer klären. Sicher ist, dass im besonders stark industrialisierten Kanton verhältnismässig viele Menschen in prekären Verhältnissen
lebten (Alkoholismus, Arbeitslosigkeit, usw.), die behördliche Massnahmen nach sich ziehen konnten.
Dr. Stefan Frech, Staatsarchivar Kanton Solothurn
Was macht den Wert eines Menschen aus?