Nach 1981

Benjamin und Christian auf dem letzten Bild vor Eingriff behördlicher Stellen und heute. 1979, nach der Scheidung ihrer Eltern, wurden sie von ihrer alleinerziehenden Mutter getrennt – der Beginn von über einem Jahrzehnt von Massnahmen und Fremdplatzierungen mit tiefgreifenden, andauernden Folgen.

«Es ist wichtig, nicht nur an die Opfer zu erinnern, sondern auch nach der Verantwortung aller Involvierten zu fragen.»

Christian, geboren 1971 im Kanton Solothurn

Im Jahr 1981, sieben Jahre nach der Unterzeichnung der Europäischen Menschenrechtskonvention EMRK, verbesserte die Schweiz den Schutz der Einwohnerinnen und Einwohner vor behördlicher Willkür.

Seit dem 1. Januar 1981 gelten neue Bestimmungen im Schweizerischen Zivilgesetzbuch ZGB. Deshalb spricht man über fürsorgerische Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen vor oder bis 1981.

Diese Bestimmungen wurden nicht überall sofort umgesetzt. Willkürliche Entscheide und Platzierungen kamen weiterhin vor. Bislang liegen im Kanton Solothurn keine umfassenden Untersuchungen dazu vor, generell spricht die Wissenschaft von «ungerechtfertigten Zwangsentscheidungen». Das Schicksal der Brüder Benjamin und Christian verdeutlicht dies eindrucksvoll.

1997 trat in der Schweiz die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen in Kraft. In den Jahren seither folgten weitere Schritte zur Verbesserung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und auch zur kritischen Diskussion der Arbeit der Behörden. Mehr und mehr wurden ausgebildete Fachleute eingesetzt.

2013 erfolgte die Einführung der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde KESB.

Die Forschenden des Nationalen Forschungsprogramms «Fürsorge und Zwang» (NFP 76) kommen 2024 zum Schluss, dass in der Schweiz teilweise dennoch ungerechtfertigte Zwangsentscheidungen gefällt werden und die Sensibilität gegenüber den Familien noch nicht genügend ist. Hinschauen und den Umgang mit verletzlichen Personen immer wieder zu hinterfragen, bleibt unerlässlich.

Wer ist heute von fürsorgerischen Unterbringungen und Zwangsmassnahmen betroffen?