Zur Schau gestellt. Gedemütigt – erniedrigt – bestraft

Bachtelen, Grenchen, 1993

Bachtelen, Grenchen, 1993

«Mir wurde gesagt, dass ich jetzt mit 17 Jahren etwas lernen und zu einem Bauern müsse, mich wolle ja sonst bestimmt niemand. ‹Du kannst zu niemandem, wer will schon einen «Säuhund»? Wenn du ein Zimmer suchen gehst, sagst du den Leuten am besten gleich zu Beginn, dass du ein Bettnässer bist›. […] Ich konnte mein nächtliches Bettnässen nicht beeinflussen und trotzdem wurde ich dafür immer wieder bestraft. Mit der Zeit habe ich mich selbst als ‹Säuhund› bezeichnet. Ich werde mich nie ganz davon lösen können, dass ich bis 22 Jahre ein Bettnässer war.»

Werner, geb. 1940, aufgewachsen im Waisenhaus

Quelle: «Total Pain in der Palliativen Geriatrie. Vom Umgang mit dem existentiellen Schmerz im hohen Alter» (2024).

Kinder, die ihrem Zuhause entrissen und in Heimen oder Pflegefamilien platziert wurden, litten in der Folge häufig unter Bettnässen. Für viele war dies eine der belastendsten Erfahrungen.

Statt auf Verständnis und Unterstützung zu stossen, wurden sie bestraft und ausgegrenzt. Schläge, Essensentzug, das Einsperren in dunkle Keller oder nächtliches Wecken sollten das Bettnässen unterbinden. Besonders erniedrigend war es, wenn betroffene Kinder das nasse Bettzeug um den Hals tragen mussten. In Heimen wurden sie so beim Morgenessen, das ihnen verweigert wurde, vorgeführt. Bettnässer wurden sogar mit dem Bettzeug und den mit Urin verschmutzten Kleidern zur Schule oder durch das Dorf geschickt.

Die drakonischen Strafen, ständigen Beschimpfungen und Demütigungen führten zu Angst vor dem Schlafen und der Nacht und verstärkten das Problem zusätzlich. Scham und Angst begleiten viele Betroffene ihr Leben lang.

Was bewirkt Spott und Ausgrenzung in dir? Was stärkt einen Menschen?