Ausgesondert. Unerwünscht.

Kindergarten und Schulhaus für die italienischen Kinder im «Tripoli» Grenchen, 1913. Während des Baus des Grenchenbergtunnels entstand das Barackendorf der italienischen Tunnelarbeiter und ihrer Familien. Später, nach Einführung des Saisonnierstatuts, waren Kinder oft gezwungen, von ihren Eltern getrennt oder im Verborgenen zu leben.

Ambassadorenhof Solothurn, ehemalige Kantonsschule, heute Sitz des Kantonalen Departements des Innern. In der Aula fand vom 6.–10.9.1920 unter dem Vorsitz von Bundesrat Heinrich Häberlin, Vorsteher des EJPD, die Beratung zur Einwanderungsgesetzgebung statt. Häberlin begleitete das ANAG von 1920 bis zum Inkrafttreten 1934. Er war zudem langjähriger Stiftungsratspräsident der Pro Juventute und Unterstützer der Aktion «Kinder der Landstrasse».

1920 trafen sich im Ambassadorenhof in Solothurn 24 hochrangige Schweizer Politiker, Juristen und Beamte.

Sie erarbeiteten die Grundlage für eine Gesetzgebung, die zwischen erwünschten und unerwünschten Einwandernden unterscheidet. Die Konferenz leistete eine entscheidende Vorarbeit zum Bundesgesetz über den Aufenthalt und die Niederlassung der Ausländer ANAG, das 1934 in Kraft trat. Es bildet die gesetzliche Grundlage für das Saisonnierstatut A.

Bis zur Abschaffung des ANAG 2002 wurden zahlreiche Migrantinnen und Migranten auf dem Arbeitsmarkt gebraucht, die als Menschen nicht erwünscht waren. Sie lebten in Abhängigkeit vom Arbeitgeber und hatten kaum Rechte. Familien wurden auseinandergerissen.

Väter, Mütter und Nachkommen der folgenden Generationen leiden bis heute unter den Folgen dieser unmenschlichen Lebenssituation. Viele von ihnen waren sowohl von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen wie auch vom ANAG betroffen.

«Wenn Familienverbände attackiert werden, sind die Verletzungen über Generationen hinweg verheerend. Denn die einzelnen Familienmitglieder sind sowohl Opfer, wie auch Zeugen, wie nahestehende Familienmitglieder zu Opfern werden.»

Paola De Martin, Initiantin und  Vorstandsmitglied Verein TESORO

Welche Menschen leben heute unerwünscht unter uns?

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